Interview des Boten zur Kandidatenvorstellung

Die drei Bürgermeisterkandidaten wurden gegeben, Fragen der Redaktion der Zeitung der Bote zur Vorstellung der Kandidaten zu beantworten. Ich habe das natürlich sehr gerne gemacht, leider war der Platz dafür sehr begrenzt. Deshalb veröffentliche ich hier meine vollständige Antwort.

Frage 1: Wie wollen Sie die Verkehrsbelastung durch die B8 langfristig in den Griff bekommen?

Die B8 ist wahrlich ein wichtiges Thema für Schwarzenbruck. Hier gibt es einige Ansätze zur Verbesserung, für die ich mich stark machen werde. Ein Verkehrsplanungsbüro sieht in einer zweiten Anbindung von Rummelsberg an die B8 (zwischen Schwarzenbruck & Feucht) eine Reduzierung innerorts um ca. 6.400 Fahrzeuge und damit etwa 30 %. Ein weiterer Schritt ist der geplante Ausbau der S-Bahn Strecke Nürnberg-Neumarkt um ein weiteres Gleis, damit die Taktung der S-Bahn in noch kürzeren Abständen erfolgen kann. Dieser Schritt ist bereits in den Maßnahmenkatalog des Bundes aufgenommen. Ferner werde ich für meinen Antrag an die Bundesbehörden „Die Maut auf Bundesstraßen gegenüber den Autobahnen mit einem Faktor zu versehen“ kämpfen und so einen wichtigen Beitrag für die Entlastung von Ortsdurchfahrten leisten. Für Ochenbruck und Pfeifferhütte wäre eine Verlagerung der LKWs auf die A3 Nürnberg – Neumarkt ganz einfach möglich. Leider geht das nur über den Geldbeutel, denn die Maut auf Bundesstraßen und Autobahnen ist aktuell identisch.

Eine gänzliche Umfahrung oder Untertunnelung der B8 für unser Gemeindegebiet erachte ich momentan als schwer umsetzbar. Neben dem Umweltaspekt und einer sehr hohen Investition von Steuergeldern, sehe ich hier besonders unsere Versorgung vor Ort in Gefahr. Diese hat sich in den letzten Jahren nun einmal auf Ochenbruck zentralisiert, bedingt durch das Einkaufsverhalten unserer Gesellschaft. Ein kleiner Laden kann von einem Stück Butter, das man vergessen hatte zu kaufen, nicht leben.

Etwa 40 % der Kunden unserer Einkaufsgeschäfte in Ochenbruck und Pfeifferhütte sind reiner Durchgangsverkehr, das haben Verkehrserhebungen gezeigt. Ich stehe für eine Politik mit Weitblick und bin deshalb gegen vorschnelle Entscheidungen. Sollte es in Zukunft zu einem Antrag zur Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan und damit einer Umfahrungslösung kommen sollen, werde ich hier alle unsere Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen lassen. Denn diese Entscheidung geht meines Erachtens uns alle etwas an.

Frage 2: Welche Lehren haben Sie aus dem Fall Weber gezogen?

Von einem Bürgermeister und dem Gemeinderat werden sachliche Entscheidungen erwartet, frei von Emotionen. Eine vernünftige Vorbereitung der Gemeinderäte auf die zu behandelnden Tagesordnungspunkte ist immens wichtig. In der Gemeinderatssitzung im vergangenen Juni konnten sich die Gemeinderäte nicht ausreichend gut auf das Thema vorbereiten, weil ein Antrag zur Änderung der Tagesordnung während der Sitzung gestellt und diese Änderung von den Gemeinderäten angenommen wurde. Künftig muss gründlich darauf geachtet werden, dass eine kurzfristige Änderung der Tagesordnung wirklich aus dringenden Gründen geboten ist. Voreilige Beschlüsse ohne eine sachliche Bewertung des Themas bringen uns bzw. unsere Gemeinde nicht weiter und dürfen nicht gefasst werden. Als Bürgermeister werde ich Tagesordnungspunkte nur nach einer sachlichen Vorbereitung der Themen zur Beschlussfassung dem Gemeinderat vorlegen. Aber auch bei wirklich dringenden Angelegenheiten werde ich auf Sachlichkeit achten, frei von Emotionen. Ich stehe zu 100 % hinter dem Amtseid, den Bürgermeister und Gemeinderäte bei Amtsantritt leisten müssen. „Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzten und gewissenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten, so wahr mir Gott helfe.“

Frage 3: Das Verkehrsaufkommen wird sich um geschätzt 1700 Fahrten pro Tag erhöhen, wenn rund 1000 Menschen nach Rummelsberg ziehen. Wie werden Sie dem begegnen?

Diese Entwicklung des Ortsteils Rummelsberg ist für einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren geplant. Dazu müssen Flächennutzungsplan- und Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden um erstens Flächen in Bauland umzuwidmen und zweitens eine vernünftige Verkehrsplanung zu schaffen. Der Gemeinderat hat bereits entschieden, dass eine zweite Anbindung von Rummelsberg zur B8 eine klare Bedingung für dieses Projekt ist. Dieser Beschluss ist ein wichtiges Signal für unsere Bürgerinnen und Bürger. In der Entwicklung von Rummelsberg sehe ich die Chance dem Wohnungsmangel in unserer Gemeinde zu begegnen. Sozialverträgliche bzw. altersgerechte Wohnungsprojekte können durch eine durchdachte Bebauungsplanung geschaffen werden. Die S-Bahn und Einkaufsgeschäfte sind von Rummelsberg aus gut fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Das wird das prognostizierte Verkehrsaufkommen mit Sicherheit stark vermindern und wer weiß, wie wir uns in 15-20 Jahren fortbewegen. Mobilität ist aktuell eines der großen Themen und für künftige Mobilitätskonzepte bin ich offen.

Frage 4: Wie Bernd Ernstberger und einige seiner Vorgänger sind Sie derzeit Geschäftsleiter der Gemeinde. Können Sie die Wahl überhaupt noch verlieren?

Wie Sie in Ihrer Frage richtig formulieren, handelt es sich am 15. März um eine Wahl. Diese wird vom Wähler entschieden und nicht von einer beruflichen Tätigkeit eines Kandidaten. Albrecht Frister, Norbert Reh und Bernd Ernstberger, um nur die letzten drei Bürgermeister zu erwähnen, wurden alle mit einer Mehrheit durch die Bürgerinnen und Bürger zum Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt.

Unsere Bürgerinnen und Bürger waren in der Vergangenheit gut beraten, einen Bürgermeister mit Verwaltungshintergrund zu wählen. Auch Bürgermeister müssen sich bei ihren Handlungen an Recht und Gesetz halten. Deshalb ist es sicherlich von Vorteil, wenn man die rechtlichen Rahmenbedingungen kennt und aufgrund seines Verwaltungshintergrundes auch bestmöglich umsetzen kann. Ich befürchte, dass in Deutschland unsere Bürokratie und Verwaltungsabläufe auch in Zukunft komplexer werden. Das kennt sicher jeder aus seinem Privatleben im Umgang mit Anträgen etc. Deshalb sehe ich diesen Vorteil auch in der Zukunft weiterhin gegeben. Selbstverständlich werde ich mein Fachwissen aus meiner über 16 jährigen Tätigkeit einbringen und stehe dabei gleichzeitig mit meinen 33 Jahren für neue Ideen und einen frischen Wind. Es gibt viel zu tun und dafür werde ich mich mit vollem Engagement und all meiner Kraft & Leidenschaft einsetzen.

Ich freue mich wirklich sehr, wenn mir die Mehrheit der Wähler am 15. März ihr Vertrauen schenkt. Jedoch entscheidet nicht meine Arbeitsstelle bei der Gemeinde die Wahl, sondern der Bürger. Wir leben in einer Demokratie und das ist auch gut so!